Giardien-Befall – was tun, wenn der Darm ungebetene Gäste hat?

Giardien-Befall

Vielleicht kennt es der ein oder andere. Der Hund hat urplötzlich den entsetzlichsten Durchfall. Man sieht ihm förmlich an, dass sich der ganze Magen-Darm-Trakt verkrampft und er starke Schmerzen hat. Und das was da hinten aus dem geliebten Tier rauskommt, ist auch echt alles andere als Veilchen-Duft, vielmehr riecht das richtig fies nach Verwesung und ist flüssig. Die erste Verdachtsdiagnose ist jetzt: Giardien-Befall. Doch was kann man jetzt tun, außer in angeekelte Panik zu verfallen?

 

Was sind Giardien?

 

Zunächst mal ist zu klären, was Giardien eigentlich sind und wo sie überhaupt herkommen. Giardien sind winzig kleine Einzeller, die den Dünndarm von Hund, Katze und (ja, leider auch) Mensch besiedeln und sofort zu überfallsartigen Durchfällen führen. Sie werden von Befallenen über den Kot ausgeschieden und hierüber dann leider auch von unseren Haustieren aufgenommen. Dies kann passieren, wenn der Hund bspw. tatsächlich Kot frisst, aber auch wenn er an einer verunreinigten Pfütze trinkt oder unterwegs Nahrungsmittel aufnimmt, die mit Giardien verseucht sind. Unter optimalen Bedingungen sind Giardien in der Lage, mehrere Monate zu überleben, um auf den nächsten Wirt zu warten. Die Inkubationszeit, also die Zeit, in der sich der Hund anstecken kann, beträgt 3-21 Tage. Das ist eine relativ lange Zeitspanne, die es erschwert, herauszufinden, was genau der Auslöser der Giardiose ist.

Nun beschäftigen wir uns etwas mit dem gesunden Darm und seinen Aufgaben. Die Darmschleimhaut, auch intestinale Mikrobiota genannt, beinhaltet verschiedene Bakterienstämme, die in Harmonie leben und davor schützen, dass Toxine, Pilze, Viren oder schädliche Bakterien über die Darmschleimhaut in den Blutkreislauf gelangen. Sie bilden also einen Schutz oder eine Barriere gegen Krankheitserreger. Ist dieses Darmmilieu nun durch die Besiedlung mit Giardien im Ungleichgewicht, übernehmen die Giardien das Kommando. Die Giardien vermehren sich im Darm rasant. Sie heften sich an die Darmschleimhaut und schädigen diese. Doch nicht nur das: sie verdrängen ebenfalls gute Darmbakterien, sodass die Abwehr des Darmes zusätzlich geschwächt wird.

 

Zu den Aufgaben der „guten“ Darmbakterien zählen:

 

  • Immunmodulation
  • Versorgung mit verschiedenen Vitaminen
  • Unterstützung bei der Verdauung von bestimmten Nahrungsbestandteilen
  • Anregung der Darmperistaltik, also der Bewegung des Darmes, der den entstandenen Speisebrei voranschiebt

All diese Funktionen sind beeinträchtigt, wenn der Darm mit den falschen Darmbakterien besiedelt ist.

 

Wodurch entsteht nun ein solches Ungleichgewicht im Darm?

 

  • Häufig bei Welpen, da der Darm sein richtiges Milieu noch nicht ausgebildet hat
  • Stetige Entwurmung
  • Antibiotika
  • Infektionen
  • Glyphosat, das bei Spaziergängen im Feld aufgenommen wird
  • Chemische Zecken- und Flohprophylaxe
  • Falsche oder schlechte Fütterung
  • Allergien / Unverträglichkeiten
  • Chronische Darmentzündungen, bspw. IBD
  • Stress
  • Hohes Alter

 

All dies sind Faktoren, die es dem Darm von vorneherein erschweren, ein gesundes Milieu aufzubauen. Ist der Darm in dieser Art vorgeschädigt, kann er dem Befall von Giardien kaum etwas entgegenhalten. Ein Hund, der über eine gesunde Darmflora verfügt, kann einen leichten Befall mit Giardien selbst bekämpfen.

 

Welche Symptome deuten darauf hin, dass das Darmmilieu des Hundes nicht im Gleichgewicht ist?

 

  • Durchfall
  • Erbrechen
  • Blähungen
  • Wechselnde Kotkonsistenz
  • Schleimiger und / oder ungeformter Kot
  • Zu häufiger Kotabsatz
  • Infektanfälligkeit
  • Chronische oder wiederkehrende Entzündungen auch an anderen Stellen des Körpers, bspw. Otitis (Entzündung des Ohres)
  • Allergien
  • Hautprobleme
  • Bauchgeräusche
  • Exzessives Gras- oder Kotfressen

 

Es gibt also einige Symptome, die auf den ersten Blick gar nichts mit dem Darm, Giardien-Befall oder der Verdauung direkt zu tun haben, und trotzdem ihre Ursache in einer geschädigten Darmflora haben. Dies liegt daran, dass das Immunsystem unserer Hunde, wie auch unser eigenes, im Darm liegt.

 

Was tun bei der Giardiose des Hundes?

 

Für die Diagnostik ist es sinnvoll, zu seinem Tierarzt oder Tierheilpraktiker zu gehen. Fragt dort nach, welches Verfahren verwendet wird, um die Giardien aufzuspüren. Das Flotationsverfahren ist leider nicht genau genug, mittlerweile gibt es den Koproantigentest, bei dem auch die zyklische Ausscheidung der Zysten keine Rolle mehr spielt. Es kann trotzdem der Giardien-Befall bewiesen werden.

 

Doch wie wird nun behandelt?

 

Häufig wird den Hunden nun Panacur verabreicht, ein herkömmliches Entwurmungsmittel mit dem Wirkstoff Fenbendazol oder es wird auf Metronidazol zurückgegriffen, ein Antibiotikum. Das Problem bei solchen Mitteln ist aber, dass sie zwar die Giardien abtöten, mit ihnen aber auch alle anderen noch vorhandenen guten Bakterien gleich mit. Und hier liegt beginnt nun ein Teufelskreis. Die Giardien werden zwar zunächst abgetötet, falls sie noch nicht resistent gegen die chemischen Mittel sind. Da der Darm nun aber nichts mehr entgegenzusetzen hat, folgt sofort der erneute Befall mit Giardien oder anderen schädlichen Bakterien, Viren oder Einzellern.

 

Was kann man aber tun, wenn Antibiose nicht sinnvoll ist?

 

Unser Ansatz ist, den Darm von Anfang an gesund zu halten. Dies wird erreicht, indem man

  • nicht „prophylaktisch“ entwurmt, was sowieso keinen Sinn ergibt, sondern nur nach Sammelkotprobe mit positivem Ergebnis.
  • Antibiotika nur verabreicht, wenn es unbedingt sein muss. Hier auch den Tierarzt in die Pflicht nehmen und sich gern selbst belesen über Sinn und Unsinn von häufigen Antibiotika-Gaben, auch im Hinblick auf Resistenzen
  • Den Körper während und nach notwendiger Antibiotika-Gabe entgiftet und den Darm aufbaut, wir empfehlen hierfür unser Giardia Garaus
  • Keine chemischen Zecken- und Flohprophylaxen verabreicht
  • Seinen Hund überlegt impfen lässt
  • Sein Tier artgerecht ernährt, am besten BARFt

 

Sollte sich euer Hund doch mal einen Giardien-Befall haben, empfehlen wir euch, den Hund zunächst auf Nulldiät zu setzen, um den Giardien die Nahrungsgrundlage zu entziehen. Auch wenn euer Hund euch sicherlich etwas anderes erzählen wird, ist er durchaus in der Lage, drei Tage lang keine feste Nahrung zu sich zu nehmen. Gleichzeitig sollte eine Behandlung mit Giardia Garaus, gelöst in Kefir, erfolgen. Hierzu mischt ihr 2 Messlöffel des Pulvers in 500ml Kefir. Hiervon erhält er nun 4mal täglich 1 Esslöffel pro 10 Kilo Körpergewicht. Wie gesagt, die ersten drei Tage erhält er nichts zusätzlich zu fressen, danach könnt ihr langsam mit Schonkost beginnen, bspw. Morosche Suppe oder gekochtes Hühnchen. Für Katzen gilt das gleiche, nur sollten sie niemals auf Nulldiät gesetzt werden. Sie benötigen kontinuierlich Futter, man startet hier aleso sofort mit Schonkost.

Solltet ihr weitere Fragen dazu haben, meldet euch gerne bei uns!

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