Olibanum – indischer Weihrauch

1.) Die Inhaltsstoffe des indischen Weihrauchs

Die charakteristischen Hauptinhaltsstoffe sind:
– pentacyclische Triterpensäuren, die wichtigsten sind Acetyl-ß-boswelliasäure, Acetyl-11-keto-ß-boswelliasäure (AKBA), ß-Boswelliasäure, a-Boswelliasäure und 11-Keto-ß-boswelliasäure (KBA);
– tetracyclische Triterpensäure, die wichtigsten sind 3a-Acetoxytirucall-8,24-dien-21-säure, 3a-Hydroxytirucall-8,24-dien-21-säuren, 3ß-Hydroxytirucall-8,24-dien-21-säure, 3-Ketotirucall-8,24-dien-21-säure und 3-Oxotirucallsäure;
– Lupane, pentazyklische Triterpene, wie 3a-Acetyl-20(29)-lupen-24-säure;
– das Gummiharz sollte mindestens 25 % pentazyklische und terazyklische Triterpensäuren, berechnet auf die ß-Boswelliasäure (C30H48O2; Mr 456) enthalten.
Andere Inhaltsstoffe des Gummiharz-Exsudats umfassen etherisches Öl (7,5-15 %), dessen Hauptkomponenten (+)-a-Thujon, (+)-a-Phellandren und (+)-a-Pinen sind; den Diterpenalkohol Serratol; und 23-36 % Schleimpolysaccharide hauptsächlich bestehend aus D-Galactose (46 %) und D-Arabinose (12 %) und kleineren Mengen D-Mannose, D-Xylose, Digitoxose, Galacturonsäure, 4-Methyl-D-Glucuronsäure und Rhamnose.

2.) Verwendete Pflanzenteile

Indischer Weihrauch besteht aus luftgetrocknetem Gummiharz, das aus Stämmen und Ästen von Boswellia serrata Roxb. ex Colebr. durch Einschneiden gewonnen wird. Es enthält mindestens 1,0 % an 11-Keto-ß-boswelliasäure (C30H46O4; Mr 470,7) und mindestens 1,0 % an Acetyl-11-keto-ß-boswelliasäure (C32H48O5; Mr 512,7), beides bezogen auf die getrocknete Droge.

3.) Anwendungsgebiete

Indischer Weihrauch wirkt antiphlogistisch, also entzündungshemmend und wird zur Linderung von schmerzhafter Arthrose und bei entzündlichen Darmerkrankungen eingesetzt. In der Frauenheilkunde gilt der Weihrauch schon seit langer Zeit als Helfer bei entzündlichen Prozessen der Fortpflanzungsorgane und ähnlichen Leiden.

4.) Pharmakologie und Toxikologie

In vitro konnte die antiphlogistische Aktivität von indischem Weihrauch und individuellen Boswelliasäuren über verschiedene Wege nachgewiesen werden. Extrakte bzw. die isolierten Boswelliasäuren können dosisabhängig die 5-Lipoxygenase-Aktivität modulieren und die Calcium-Mobilisation stimulieren. Dabei wird selektiv die Synthese von entzündungsfördernden Leukotrienen durch Blockade der 5-Lipoxygenase gehemmt ohne die Cyclooxygenase-Aktivität und folglich die Synthese von Prostaglandinen zu beeinflussen. Weiterhin wird in vitro die humane Leukozyten-Elastase, ein pro-inflammatorisches Enzym, durch AKBA gehemmt. ß-Boswelliasäure hemmt sowohl das klassische als auch das alternative Komplementsystem.
Die TNF-a-Expression wird durch NF-?B induziert und ist ein wichtiges Zytokin bei der chronischen Entzündung. Acetyl-a-boswelliasäure und AKBA inhibieren die Lipopolysaccharid-vermittelte TNF-a-Induktion in humanen peripheren Monozyten durch direkte Interaktion mit l?B-Kinasen, was zur Inhibition des NF-?B-Signals und der darauffolgenden Induktion proinflammatorischer Gene führt. Dies scheint der Haupt-Mechanismus für die antiphlogistische Wirkung von Indischem Weihrauch zu sein.
Weiterhin wirkte isolierte AKBA in vitro antiproliferativ, pro-apoptotisch, zytotoxisch und induzierte die Differenzierung in zahlreichen malignen Zelllinien. Dabei spielen unter anderem die Unterdrückung der NF-?B-abhängige Gen-Expression antiapoptotischer Proteine, die Caspase-8-Aktivierung, die Aktivierung von Mitogen-aktivierten Proteinkinasen und die Inhibition der Topoisomerase I und IIa eine Rolle.
Weiterhin zeigt Weihrauch immunmodulatorische Eigenschaften.
Bei Tieren konnte die antiphlogistische Wirkung bei Arthritis (Reduktion der Gelenkschwellung, Reduktion von Leukozyten in der Synovialflüssigkeit, Reduktion von Lahmheit und Schmerzen) oder bei entzündlichen Darmerkrankungen (Verminderung der Diarrhö, Steigerung der gastrointestinalen Transitzeit) und die Antitumorwirkung bestätigt werden. Zudem wurden anti-anaphylaktische und Mastzell-stabilisierende Effekte, Reduktion von Atherosklerose, Senkung von Serum-Gesamtcholesterol und Steigerung von HDL-Cholesterol und eine protektive Wirkung gegen Magenulcus beobachtet.
Bei einer pharmakologischen Studie am Menschen zu malignem Gliom wurde ein Indischer Weihrauch-Trockenextrakt präoperativ über 7 Tage in 3 verschiedenen Dosisleveln (3-mal täglich 1200 mg (n=14); 3-mal täglich 800 mg (n=9); 3-mal täglich 400 mg (n=5)) durchgeführt. Bei der höchsten Dosierung wurde das peritumorale Ödem signifikant reduziert, die Tumormasse wurde jedoch nicht beeinflusst. Die niedrigste Dosierung hatte keinen Effekt.
In klinischen Studien zeigte Indischer Weihrauch eine Wirkung bei arthritischen Erkrankungen wie Arthrose des Knies, chronischer Polyarthritis, rheumatoider Arthritis und juveniler rheumatoider Arthritis (u. a. Reduzierung des Schmerzes, Verbesserung der Gelenkfunktion, des Schwellungsscores, der Gehzeit), bei entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Chron, Colitits ulcerosa, bei bronchialem Asthma (3-mal täglich 300 mg über 6 Wochen) und zerebralem Ödem mit Gehirn-Tumoren (3-mal täglich 1200 mg über 4 Wochen).

5.) Unerwünschte Nebenwirkungen

Einige Nebenwirkungen, reversibel nach Unterbrechung, wurden in klinischen Studien als möglicherweise in Bezug auf die Droge stehend berichtet:
– gastrointestinale Schmerzen
– Übersäuerung
– Brennen in der Brust
– Appetitlosigkeit
– Übelkeit mit Erbrechen
– Diarrhö
– lokale Haut-Irritation mit Juckreiz

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